23.12.2015 Fahrt nach Rivera
Wir
treffen uns heute morgen um 6:45 Uhr, um vor dem Frühstück auf den Markt in
Honda zu gehen. Dieser liegt genau gegenüber vom Hotel in einer in republikanischen
Stil erbauten (1917) Markthalle. Es sind noch nicht alle Stände geöffnet, aber
so groß ist der Markt eh nicht, und Jörg will uns vor allem ein paar Früchte
zeigen, die wir noch nicht kennen. So probieren wir eine Badea-Frucht
(glitschig), eine Zapote, und eine Yacon (eine roh essbare Kartoffel – sehr
lecker). Um 7:30 Uhr gibt es ein göttliches Frühstück. Ein großer Obstteller,
Müsli, getoastetes Toast und selbstgemachte Marmelade. Ein Traum. Um 8.00 Uhr
sitzen wir dann schon wieder im Bus um uns auf den Weg nach Rivera zu machen.
Das heißt, heute sitzen wir wieder viele Stunden im Bus. Nach etwa einer Stunde
kommen wir durch Armero, wo links und rechts der Straße nur noch Häuserruinen
zu sehen sind, ziemlich gruselig. Dieser Ort ist 1985 nach einem Vulkanausbruch
von Schlamm- und Geröllmassen überschwemmt worden und es sind ca. 23.000
Menschen zu Tode gekommen. Bekannt wurde dieses Drama damals wohl weltweit,
weil ein 13-jähriges Mädchen lebendig in den Schlammmassen gefangen war und
alle Versuche, sie zu retten, scheiterten. Sie starb nach 3 Tagen. Wie Jörg
weiter erzählt, ist in dem Ort Armero 1949 ein Pfarrer ermordet worden. Dieser
hat, während er starb, den Ort verflucht, so dass die Kolumbianer, die sehr an
so etwas glauben, denken, dass das Unglück deswegen passiert ist.
Die
Fahrt geht weiter durch Graslandschaften, die keine besonderen optischen Highlights
bieten. Um 13.30 Uhr machen wir eine Mittagspause. Ich esse eine Kochbananensuppe,
die ich leider stehen lassen muss, weil ich mal wieder nicht daran gedacht
habe, dass da höchstwahrscheinlich Koriander drin ist. Sie schmeckt seifig.
Danach
geht es noch 1,5 Stunden weiter, bis wir an der Tatacoa-Wüste ankommen. Unterwegs
sammeln wir in Neiva Maria, unsere örtliche Reiseleiterin ein. Wir fahren
überwiegend durch trockenes Grasland, dann kommt mal ein sehr grüner Abschnitt
und dann beginnt die Tatacoa-Wüste, was sich durch kleine Schluchten und bizarre
Feldformationen auszeichnet. Die Indianer nannten diese 330 qkm große Trockensavanne
Tatacoa, der Name bedeutet „Klapperschlange“. Regen fällt hier vereinzelt im
April, Mai, Oktober und November und es kann mittags über 45 Grad heiß werden. Auch
heute ist es sehr heiß, aber es geht ein für hier außergewöhnlicher Wind, der
zeitweise sogar richtig stark ist. Wir machen eine etwa einstündige Wanderung
durch eine wunderschöne Landschaft, durch kleine Canyons und vorbei an riesigen
Kakteen. Toll!
Um
halb sechs fahren wir dann das letzte Stück und gegen halb acht sind wir in Rivera,
einem vom ersten Eindruck ziemlich schäbigen Städtchen. Das Hotel „Los Balcones“
ist ein kleiner Hochsicherheitstrakt. Eisentore, Stacheldraht auf den Mauern
und Videoüberwachung. Das Zimmer ist schlicht und wie der Rest sehr lieblos
gehalten. Wir haben 5 Minuten Zeit, die Sachen umzupacken, denn es geht direkt
weiter zu den Thermalquellen. Die hätte ich gern ausgelassen, aber da auch das
Abendessen dort geplant ist, muss ich notgedrungen mit. Anderen geht es aber genauso.
Auf das Bad verzichte ich (nicht als einzige), die anderen haben eigentlich
auch nur ein paar Minuten Zeit, denn das Essen wurde vorher bestellt, und
irgendwie geht heute Abend alles drunter und drüber. Die Ansagen sind mal so
und mal so, und so kommt das Essen schon während die meisten noch plantschen.
Aber immerhin ist es sehr lecker. Die bei Ankunft äußerst angespannte Stimmung
entspannt sich dann auch schon wieder etwas. Trotzdem bin (nicht nur) ich
zwischendurch heute echt genervt von diversen Mitreisenden, die sich ständig
beklagen, dass so viel Programm ist und sie so viel Bus fahren müssen. Morgen
beschweren sie sich vermutlich, dass sie mal ein bisschen länger laufen müssen.
Die wollen am liebsten den ganzen Tag gemütlich Kaffee trinken. Unglaublich,
dass es immer wieder Leute gibt, die so eine Reise buchen ohne die
Reisebeschreibung zu lesen!
Gegen
22.00 Uhr sind wir im Hotel. Ich schreibe noch etwas und mache mich dann
bettfertig und ziehe anschleißend die Badezimmertür zu. Und komme anschließend
nicht mehr rein! Also renne ich durch das stockfinstere Haus und rufe jemanden,
da ich ja nicht weiß wo die Besitzer wohnen. Zum Glück hört Jörg mich, der dann
bei der netten Dame klopft, die mir dann wieder aufsperrt. Inzwischen ist es
halb zwölf und ich bin todmüde. Buenas Noches.


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