Sonntag, 20. Dezember 2015

Radeln und Salz



20.12.2015 Radeln durch Bogota – Salzkathedrale in Zipaquira – Fahrt nach Villa de Leva

Diese Nacht habe ich fast durchgeschlafen bis der Wecker um 6.15 Uhr klingelt. Eine Stunde später gibt es Frühstück (wie gestern, nur mit einem Stück Käse extra), und um 8.00 Uhr laufen wir zum Fahrradverleih ein paar Straßen weiter. Heute kommt es mir wärmer vor, ich habe zwar die leichte Daunenjacke an, aber heute brauche ich keine zweite Schicht darunter. Während die Räder verteilt werden, verletzt sich eine aus der Gruppe direkt beim Aufsteigen an der Pedale und zieht sich eine tiefe Wunde zur. Sie besteht darauf, sich ärztlich behandeln zu lassen, da sie Angst hat, dass die Wunde sonst nicht verheilt (die Dame ist 83!) und Jörg organisiert mit dem Fahrradverleiher, dass sie zur Untersuchung ins Krankenhaus gebracht wird.. Wir anderen fahren dann irgendwann los, ins Zentrum Bogotas. Hier ist heute autofreier Sonntag, d. h., die meisten Straßen bleiben den Radfahrern und Fußgängern vorbehalten. Nach etwa einer halben Stunde stoppen wir in einem Park, stellen die Räder ab und machen… Aerobic! Hier ist eine Bühne aufgebaut und eine junge Frau macht dort diverse Aerobicübungen vor und eine ganze Menge Leute machen mit. Auf der Straße! Wir dann auch eine Weile, was echt lustig ist, und man kommt sich nicht mal blöd vor dabei. 
   
Danach schlendern wir durch den Park, stärken uns mit einem frischen Saft und schwingen uns dann wieder auf die Räder um noch etwa eine Stunde durch die Straßen zu rollen. Ich finde das ein bisschen langweilig, weil wir einfach nur – recht langsam - rumfahren, ohne dass wir irgendwo anhalten oder was besonderes sehen. Aber es ist trotzdem gut, das mal erlebt zu haben, denn die Straßen sind echt voll. Gegen 10.30 Uhr kommen wir in Usaquen an, einem sehr hübschen kleinen Stadtviertel, wo heute ein Künstler- und Flohmarkt stattfindet. Hier haben wir Gelegenheit etwas rumzubummeln, ich ziehe mit Martin los, aber alleine wäre das hier auch überhaupt kein Problem, alles ist total entspannt. Der Markt ist wirklich schon, aber leider finde ich trotzdem nichts, was ich kaufen möchte, wir stärken uns nur mit „Arrepa“, ein mit Hack, Ei und Käse gefüllter Maisfladen. Inzwischen haben wir auch endlich meine Wohlfühltemperatur erreicht und ich wünsche, ich hätte kein langärmliges Shirt an. Allerdings ist es auch gleich wieder etwas frisch, sobald die Sonne mal hinter einer Wolke verschwindet.
Um 13.00 Uhr trifft sich dann wieder die komplette Gruppe (Christel wurde genäht und versorgt und alles ist gut) und wir starten in Richtung Zipaquira In der Sprache der Muiscas: Land des Häuptlings). Die Fahrt dorthin dauert etwa 1,5 Stunden und ist eher unspektakulär. Zipaquira war bereits zu Zeiten der Muiscas (das indigene Urvolk) die Salzhauptstadt und es wird hier immer noch Salz abgebaut. Wir besichtigen hier die größte Untertage Kathedrale der Welt, welche einfach umwerfend ist. Der Kreuzgang Jesu ist hier durch aus Salz oder in Salz gehauene riesige Kreuze dargestellt, welche jeweils mit einer speziellen Symbolik hinterlegt sind. Es gibt keine darstellende Figuren oder so, nur die Kreuze sind in verschiedenen Lichttönen angestrahlt. Der Hauptgang, durch den wir gehen, ist dagegen fast komplett dunkel gehalten. Obwohl ich von der Geschichte Jesus leider keinerlei Ahnung habe, beeindruckt es mich sehr, was hier entstanden ist. Hinter den Kreuzen kann man teilweise in die ursprünglichen Schächte sehen, wo vorher das Salz abgebaut wurde. Gigantisch! Wir gehen zunächst die 14 Stationen des Kreuzgangs, dann geht es weiter runter zu den drei Hauptschiffen. Hier sagt unser Guide, wir sollen jeder einen der  drei nebeneinanderliegenden Treppen frei wählen, sie würde uns anschließend die Bedeutung sagen. Ich habe den Weg der  Sünder gewählt… Unten beeindrucken mich 4 riesige Säulen (8 m Durchmesser) und die Mystic des gesamten Ortes. Unbedingt sehenswert!
      
Gegen 16.20 Uhr geht es weiter und wir fahren noch knappe 3 Stunden bis nach Villa de Leyva. Im Bus erzählt uns Jörg ein bisschen über die Kolumbianer. Es gibt hier 86 verschiedene Volksgruppen, wobei die „Indianer“ mit 3,5 Mio nur knapp 5 % der Bevölkerung ausmachen. Durch die verschiedenen indigenen Völker gibt es immerhin 84 verschiedene Sprachen. Die Kolumbianer sind sehr familiengebunden, Singlehaushalte gibt es wenig, wenn jemand solo ist, wohnt er / sie bei den Eltern. Vorige Generationen hatten oft 10 Kinder und mehr. Auf die Frage an unseren Busfahrer, wie viele Cousins und Cousinen er habe, meinte er, er wisse es nicht gemau, ungefähr 50.
In Villa de Leyva angekommen, hüpfen wir schnell aufs Zimmer und treffen uns dann 10 Minuten später wieder, um gemeinsam in den Ort zu laufen, wo wir gemeinsam Abendessen. Ich esse ein Rindersteak mit Gemüse und trinke 2 Bier und zahle dafür ca. 12 Euro. Der Ort ist, was man auf die schnelle und im Dunkeln sehen kann, echt sehr schön, alles viel ruhiger natürlich als in Bogota, trotzdem wirkt er nicht ausgestorben, und vor allem am riesigen Plaza Major ist noch ein bisschen was los.

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