19.12.2015 Bogota – Hausberg Monserrate und Stadtrundgang
Die Nacht war okay, ich habe ganz gut geschlafen und wache
ohne Rückenschmerzen auf. Allerdings ist es erst halb vier! Um halb sieben
treffen wir uns dann alle Mann beim Frühstück. Es gibt Weißbrot und Ei. Und
Cornflakes. Und wirklich guten Kaffee! Um 7:15 Uhr fahren wir dann los zum Fuße
des Hausberges Monserrate (ca. 3.150 m),
auf den wir mit der Seilbahn fahren. Schon während der Fahrt hinauf hat man
einen gigantischen Ausblick auf die Stadt, bzw. eigentlich nur auf einen Teil
der Stadt. Bogota hat etwa 9 Millionen Einwohner, echt der Wahnsinn, ein
riesiges Häusermeer. Oben erklärt Miguel, unser Reiseleiter in Bogota, uns dies
und jenes und dann haben wir noch ausreichend Zeit um Fotos zu machen und den
Ausblick auf uns wirken zu lassen. Das südliche Drittel der Hochebene ist seit
den 50er Jahren in wilder Landnahme entstanden, aus den Slums haben sich wild
durcheinandergebaute Viertel entwickelt. Gegen halb 10 sind wir wieder unten,
steigen in den Bus, der uns zu unserem nächsten Ziel bringt, das Projekt Exito
Verde. Der Weg dahin führt uns durch die illegal entstandenen Viertel, alles
wirkt ziemlich schäbig, obwohl die Häuser teils bunt bemalt sind, wirkt doch
alles recht grau und schmucklos. Das soziale Projekt setzt sich vor allem für Naturprojekte
ein, bzw. bringt diese selbst voran, indem sie z.B. Gärten anlegen. Wir treffen
die Hauptverantwortliche und dabei ist auch eine ganze Schar Kinder, allesamt
ganz offensichtlich aus armen Verhältnissen. Am Ende des Vortrages mache ich
den Fehler und verteile Bonbons, die ich mitgebracht habe, danach werde ich vor
allem einen kleinen Jungen nicht mehr los (Omar Santiago Gomez Gil). Wir laufen
einmal durch das Viertel, wobei ich die schlimmsten zerlumptesten Hunde ever
sehe, die allesamt gut in „Friedhof der Kuscheltiere“ passen würden. Danach
fahren wir mit dem Bus (Omar neben mir) noch ein weiteres Stück den Berg hinauf
zu einem neuen „Haus“ des Projektes. Dies befindet sich in dem neuesten Slum
Bogotas, welcher seit etwa drei Jahren entsteht. Während die Menschen weiter
unten noch in Häusern aus Stein leben, findet man hier aus allen möglichen
Materialien zusammengehämmerte Buden. Immerhin gibt es Strom und Wasser. Wir
werden quasi zur Einweihung des neuen Hauses eingeladen, jede Menge Kinder und
ein paar Frauen laufen hier rum, es ist eine sehr herzliche Atmosphäre. Wir
bekommen Kakao, Gebäck und Käse, was mir leider alles überhaupt nicht schmeckt,
aber ich lasse es mir nicht anmerken.
Gegen 13.00 Uhr machen wir uns dann auf
den Weg zu unserem nächsten Programmpunkt – dem Goldmuseum. Dieses ist wirklich
beeindruckend, hier sind ca. 35.000 Stücke aus präkolumbischer Zeit ausgestellt,
die meisten davon aus purem Gold. Feinste Handarbeit, jahrhundertealt. Und
Miguel hat uns vorher auch noch die Legende von El Dorado erzählt: https://de.wikipedia.org/wiki/Eldorado
Nach dem Museumsbesuch setzen wir unseren Stadtrundgang zu
Fuß fort. Bogota ist vielleicht keine wirklich schöne Stadt, aber mir gefällt
sie, es gibt im historischen Stadtzentrum einige schöne Gebäude und Plätze, die
natürlich auch alle eine Geschichte haben. Wir laufen durch den „Barrio La
Cendelaria“, ein wunderschöner, sehr alter Stadtteil. Leider haben wir keine
Zeit, hier irgendwo in Ruhe einen Kaffee oder ein Bier zu trinken, und so gehen
wir weiter, am ehemaligen Präsidentenpalast vorbei, bis wir zum „Plaza Bolivar“
kommen, wo die Gründung Kolumbiens einst stattfand. Hier ist heute eine Bühne
aufgebaut und ein Weihnachtsbaum, der sicher größer ist als der in Dortmund. Es
ist inzwischen etwa halb 5 und es herrscht ein lebendiges Treiben. Hier endet
auch unser Stadtrundgang und wir gehen (endlich – außer dem Frühstück habe ich
heute eigentlich nichts gegessen) zum Abendessen. Hierfür gehen wir in ein sehr
schönes, von außen recht unscheinbares Restaurant und essen alle „Ajiaco“,
einen Eintopf aus Kartoffeln, Hähnchenfleisch, Kapern, Reis und Sahne, einem
Maiskolben darin und Avocado dazu. Ein bisschen wie Frikasse und einfach nur
lecker! Als wir gegen 18.00 Uhr wieder zu Plaza Bolivar kommen, scheint bereits
halb Bogota unterwegs zu sein, auf der Bühne wird Livemusik gespielt und es
herrscht eine ausgelassene Stimmung. Und es ist im Grunde wie bei einem
Volksfest bei uns, überhaupt nicht annähernd so düster wie damals in San Jose,
wo ich mich echt gefürchtet habe. Einfach nur nett. Trotzdem geht die Gruppe
nach ein paar Minuten geschlossen weiter zum Hotel, die Männer gehen noch ein
Bier trinken, einige gehen aufs Zimmer, ich setze mich noch in den Innenhof und
schreibe. Obwohl ich wirklich kaputt bin, ist es doch ein wenig früh zum
Schlafen.
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